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Altersgerechter Lebensraum innerhalb eines „geistlichen Hauses“ im Herzen der Fränkischen Schweiz

19.06.2011

„Wir stellen in Kooperation mit dem von Caritas und Joseph-Stiftung entwickelten Modell ‚In der Heimat wohnen – ein Leben lang’ einen sozialen und altersgerechten Lebensraum innerhalb eines ‚geistlichen Hauses’ zur Verfügung. Allen Bewohnern wünschen wir eine gute Beheimatung und allen, die dem Wohnkonzept Leben geben, wünschen wir Freude und Erfolg.“

Was die Kongregation der St. Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen in ihrer Erklärung anlässlich der Segnung ihres sanierten Hauses „St. Elisabeth“ in Gößweinstein sachlich darlegte, sehen andere Beteiligte mit weitaus mehr Euphorie quasi als Sensation. Helmar Fexer, stellvertretender Diözesan-Caritasdirektor im Erzbistum Bamberg, glaubt, dass hier bayernweit erstmals im ländlichen Raum zu ortsüblichen Mieten Wohnungen mit optionaler ambulanter Betreuung angeboten werden. Die Versorgung vor Ort sei viel günstiger, als wenn Menschen stationär verlegt werden müssten, erläutert Peter Ehmann, Caritas-Geschäftsführer für den Landkreis Forchheim. Und Dr. Klemens Deinzer, Vorstand des kirchlichen Wohnungsunternehmens Joseph-Stiftung, spricht von einem Signal, das die St. Franziskusschwestern mit ihren Partnern gesetzt hätten; ihr Beispiel solle keine Insellösung bleiben.

Nun aber der Reihe nach. Was tut sich im und um das Haus „St. Elisabeth“ tief in der Fränkischen Schweiz? Und wie kam es zum erwähnten vorbildlichen Engagement?

Angehen gegen die „Not der Zeit“
Laut Sr. M. Christine Köberlein, Generaloberin der Kongregation der St. Franziskusschwestern, ist das Haus „St. Elisabeth“ in der Gößweinsteiner Viktor-von-Scheffel-Straße erwachsen aus einer anderen bedeutenden Einrichtung des Ordens: dem Waldkrankenhaus „St. Marien“ in Erlangen. Dessen damalige Leiterin, Sr. M. Gamelberta Dießner, habe hier 1984 den Schwestern die Möglichkeit eröffnet, sich vom anstrengenden Krankendienst zu erholen. Bald wurde daraus ein gerne genutzter Urlaubsort auch von Angehörigen anderer Gemeinschaften. Ab 1996 wandelte sich „St. Elisabeth“ unter der Leitung von Sr. M. Sigrid Kerschensteiner zum Exerzitien- und Bildungshaus. Natürlich fanden auch immer Wallfahrer Aufnahme. 2009 sollte diese Ära enden. In einer Zukunftswerkstatt des Ordens war die Entscheidung gefallen, mit heimatnahen Mietwohnungen für Senioren aus der Umgebung auf die „Not der Zeit“ zu reagieren. Ab Mai wurde in zwei Abschnitten umgebaut, und zwar nach strengen energetischen Kriterien. Kurz vor Weihnachten 2009 zogen die ersten drei neuen Bewohner ein. Mitte 2010 wurde im Haus „St. Elisabeth“ ein Caritas-Stützpunkt seiner Bestimmung übergeben. Ein knappes Jahr später sind auch die letzten sechs von insgesamt 14 Wohnungen sowie die Allgemeinräume (bezug-)fertig. Eine (Arzt-)Praxis im Erdgeschoss mit separatem Eingang ist noch frei.

Die Rolle der Joseph-Stiftung war nicht nur die der Ideengeberin  gemeinsam mit der Caritas für die neue Nutzung. Sie betreute auch die unter der Regie von Generalvikarin Sr. M. Regina Pröls erfolgte Gebäudesanierung (verantwortlich: ?Innen-?Architektin und Energieberaterin Michaela Meyer) und kümmert sich jetzt um die Immobilienverwaltung (zuständig: Kundenbetreuerin Judith Martin).

Heimat gibt es nur in der Einzahl
Diözesan-Caritasvorsitzender Monsignore Edgar Hagel erbat am 17. Juni 2011 den Segen Gottes für „St. Elisabeth“ – eigens auch für die neu gestaltete Kapelle. Er wünschte den Interessierten genügend Kraft und „Überwindung“, um hier neu zu beginnen; für die Worte „Heimat“ und „Segen“ gebe es keine Mehrzahl. Das Konzept des „Heimat“-Wohnmodells sei so angelegt, dass jeder sich individuell entfalten, aber auch eine gute Gemeinschaft pflegen könne.

In besonderer Weise zeichnet sich „St. Elisabeth“ durch ein geistliches Angebot aus. Zwei Ruhestandspriester zählen zu den derzeitigen Mietern. Sie laden nahezu täglich zum Gottesdienst ein. Bewohner und Besucher des Hauses „St. Elisabeth“ begegnen innen wie außen der franziskanischen Spiritualität: eine Würdigung der Elemente der Schöpfung, angelehnt an den Sonnengesang des heiligen Franziskus.

Eine florierende Entwicklung
Caritas-Geschäftsführer Ehmann freut sich, dass der Stützpunkt im Haus „St. Elisabeth“ sich gut entwickelt. Im Bereich Pflege und Beratung gebe es derzeit rund 40 Nutzer, berichtet er. Die St. Franziskusschwestern hätten in einer Zeit, in der die offizielle Politik nur die Wirtschaftszentren fördere, einen Kontrapunkt gesetzt mit ihrem Umbau: „Sie haben einfach das Richtige getan und das zudem sehr zügig.“

Den herzlichen Dank der Marktgemeinde Gößweinstein überbrachte Bürgermeister Georg Lang symbolträchtig mit einem „blühenden“ Geschenk. Die Joseph-Stiftung spendete einen Brunnen für den Garten, wo die Gäste der Segnungsfeier gemeinsam einen Olivenbaum pflanzten. Ein Blumenbeet in Form des Tau, des franziskanischen (Trost-)Zeichens, schmiegt sich an den Hang vor dem das Grundstück begrenzenden Wald.