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Ökologisch gewonnene Energie aus dem Fluss im Weltkulturerbe

Am linken Regnitz-Arm im Weltkulturerbe Bamberg befinden sich vis á vis des berühmten Brückenrathauses die Oberen Mühlen. Was „oberflächlich“ kaum zu ahnen ist: Hier wird in sechs bis sieben Metern Tiefe völlig emissionsfrei Strom für rund 1.000 Vier-Personen-Haushalte erzeugt.

Historisches Ensemble

Ab dem 12. Jahrhundert hatte der Bamberger Fürstbischof die Kraft des die Stadt durchfließenden Flusses nutzbar machen lassen und damit die wirtschaftliche Entwicklung entscheidend beeinflusst. In den Mühlen wurde nicht nur Getreide gemahlen, sondern auch Öl gepresst, Eichenrinde zu Gerberlohe zerkleinert, Steine geschliffen und Tuche gewalkt. Durch Brände und Hochwasser wurden die Mühlen häufig zerstört, jedoch immer wieder aufgebaut.

Anfang der 1980er-Jahre hat die Joseph-Stiftung, das kirchliche Wohnungsunternehmen im Erzbistum Bamberg, die Oberen bzw. Steinmühlen als Sanierungsfall übernommen. Sie richtete zum einen in fünf Gebäuden ein Studentenwohnheim ein. „Das schönstgelegene der ganzen Republik“, schrieb damals die Süddeutsche Zeitung. Zum anderen entstand mitten im Fluss ein Hotel und Restaurant. Und unsichtbar unter der Wasseroberfläche ging 1983 eine Rarität in Betrieb: ein Unterflurwasserkraftwerk. – Ein ökologisches Bekenntnis: Wasserkraft ist eine unerschöpfliche Energie im Einklang mit der Natur. Konkret werden hier durchschnittlich bis zu 300 Kilowatt pro Stunde gewonnen.

Moderne Technik

Wie funktioniert das Flusswasserkraftwerk an den Oberen Mühlen in Bamberg, was leistet es?
Um Störungen durch Treibgut zu vermeiden, ist dem Wassereinlauf eine Rechenreinigungsanlage vorgeschaltet – unter dem Wasserspiegel aus Denkmalschutzgründen. Nichts soll das Auge ablenken, kein Bauwerk für die technische Ausstattung herausragen. Ein Vorhang aus Wasser verschleiert’s. Folglich wird nur etwa die Hälfte des Flusswassers durch die Turbinen geleitet. Deren Schluckvermögen beträgt 27,5 Kubikmeter pro Sekunde.

Einmal drei Turbinen und in einem 2007 fertig gestellten Erweiterungsbau eine vierte Turbine verrichten ihren unentwegten Dienst. Gemeinsam liefern sie zum Teil vor Ort genutzten und zum Teil ins öffentliche Netz eingespeisten Strom. Die drei älteren Turbinen bringen maximal jeweils 80 KW, die jüngere 95 KW. Die gleiche Energiemenge mittels fossiler Brennstoffe zu erzeugen, würde die Umwelt pro Jahr mit etwa 2.500 Tonnen CO2 belasten. 350 Hektar Wald – das Ausmaß entspricht fast 20 Mal der Fläche der Bamberger Landesgartenschau – würden nicht reichen, um die Schadstoffmenge abzubauen.

Praktizierter Umweltschutz

Bei den mehr als mannshohen Turbinen mit den aufgesetzten Generatoren handelt es sich um Kaplan-Rohrturbinen; sie sind nach ihrem Konstrukteur benannt. Er fand ein Prinzip, das Kleinlebewesen und Fische dank eines engen Einlaufrechens und einer geradlinigen Durchströmung der Turbine bestmöglich schützt. Zusätzlich finanziert die Joseph-Stiftung als Betreiberin des Wasserkraftwerks „Obere Mühlen“ den Bau eines Fischpasses mit. So sind Laichwanderungen ohne Hindernisse möglich.
filmkamera
dreieinhalbminütiger Dokumentationsfilm über das Flusswasserkraftwerk „Obere Mühlen“


Weitere Informationen:

Joseph-Stiftung
Kirchliches Wohnungsunternehmen
Hans-Birkmayr-Straße 65
96050 Bamberg
Telefon 0951 9144-0
E-Mail-Kontakt
www.joseph-stiftung.de


Im Jahr 2014 findet die erste umfassende Revision der drei älteren Turbinen statt. Hier ein
„Foto-Tagebuch“


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